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Startseite » Roman » SCIENCE FICTION » Der große Süden

SCIENCE FICTION: Der große Süden

Verlag: Heyne Verlag
Ausgabe: Hardcover
Original-Titel: Bring The Jubilee
Erschienen: 03 / 2001
ISBN: 3-453-17949-8
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Inhalt:
Hodge Backmaker ist ein Junge aus der Provinz. In diesen Tagen hat das Landleben nicht viel zu bieten. Die Union hat den Bürgerkrieg gegen die Konföderation verloren und die unterlegene Seite hat die Niederlage selbst nach all den Jahrzehnten nicht verwunden. Auf der Farm seiner Eltern ist der Junge zu nichts nütze. Zwar ist er stark, aber hat er zwei linke Hände und macht mehr falsch, als gut für das Leben auf einer Farm ist. Obwohl es so hart ist, sind seine Eltern nie auf den Gedanken gekommen, sich für eine Kontraktarbeit zu entschließen. Niemals würden sie sich freiwillig für den Rest ihres Lebens an eine Firma verkaufen und ihre Freiheit dafür aufgeben.
Auch Hodge hegt diese Gedanken nicht, ist sich jedoch bewusst, dass seine Anwesenheit nicht gut für seine Eltern ist. Seine Leidenschaft sind Bücher, ein rares Gut zu jener Zeit, in der Bildung den Niedergang bereits beschritten hat. Gegen jede Vernunft macht er sich auf den Weg ins ferne New York, in jene Stadt, die ihm eine bessere Zukunft verheißt. Der Weg ist lang und ernüchternd. Dort angekommen wird er binnen kurzem ausgeraubt. Ein glücklicher Zufall lässt den Habenichts auf den alten Pondible treffen, der es tatsächlich gut mit ihm meint. Pondible besorgt Hodge Obdach und Arbeit in einer Buchhandlung, in deren Keller auch eine kleine Druckerei untergebracht ist. Die nächsten sechs Jahre verbringt Hodge in der Gesellschaft des Besitzers Roger Tyss. Neben langen Gesprächen mit dem zynischen Mann und der täglichen Arbeit liest sich Hodge quer durch den gesamten Bestand der Buchhandlung und erwirbt sich so eine gewisse Bildung.

Seine Belesenheit schürt seine Hoffnung auf ein Studium an einer Universität. Doch es kommt ganz anders. Eine glückliche Fügung lässt Hodge nach Haggershaven gelangen. Dort, in einer kleinen Kommune von Wissenschaftlern jeglicher Coleur, fühlt er sich wohl und kann sich nach einiger Zeit auch seinen Studien über den Bürgerkrieg hingeben, wobei er es zu beachtlichen Leistungen bringt, die auch anerkannten Größen auf dem Gebiet nicht verborgen bleiben.
Bis er an diesen Punkt gelangt, vergeht viel Zeit. Er hat eine Affäre mit Barbara Haggerwells, einem Genie auf dem Gebiet der Physik, allerdings auch psychisch enorm labil. Nachdem Hodge eine glückliche Ehe mit einer spanischstämmigen Frau führt, kommt es zu einem einschneidenden Ereignis. Barbara will ihre Theorien in der Praxis erproben. Sie baut eine Zeitmaschine. Und für Hodge bietet sich eine einmalige Gelegenheit: Er könnte zurückreisen und mit ansehen, wie die entscheidende Schlacht von Gettysburg tatsächlich verlief.

Meinung:
Um es vorweg zu nehmen, die vorliegende Geschichte ist sehr ruhig, fast schon literarisch erzählt und hat rein gar nichts mit dem spektakulären Titelbild gemein. Kein konföderiertes Staatengebilde schickt eine Rakete zum Mond und hisst dort seine Flagge.

Aber das schadet der eigentlichen Geschichte überhaupt nicht. Ignoriert der Leser die kleine Irreführung durch das Buch-Cover, hält er eine wunderbar schöne Geschichte über eine alternative Realität in den Händen. Die beschriebenen Staatengebilde, allen voran das der übrig gebliebenen Union, sind erschreckend anders und doch realistisch dargestellt. Die technische Entwicklung ist in den 30er und 40er Jahren ist weit hinter den realen Begebenheiten zurückgeblieben. Automobile sind eine Rarität, Flugzeuge gar eine Utopie. Wer reist, nimmt den Zug, die Kutsche oder geht mangels Geld schlicht zu Fuß.
New York ist nach wie vor ein Moloch, doch ist es weitaus schlimmer. Die Menschen vegetieren in Slums, sie verkaufen sich freiwillig lebenslang an Firmen, manche verlassen auch das Land. Der Süden ist reich und obwohl er dem Norden seine Souveränität gelassen hat, ist er allgegenwärtig durch wirtschaftliche Einflüsse und geheime Operationen. Unter der Oberfläche herrscht immer noch Krieg zwischen der Konföderation und einer terroristischen Vereinigung, der großen Armee, aus dem Norden.

Hodge entgeht nur knapp dem Moment, in die Machenschaften der Terroristen hinein gezogen zu werden. Anhand seines Beispieles erfährt der Leser, was ein junger Mensch von diesem Land und Leben zu erwarten hat: Nichts.
Der amerikanische Norden ist zu einem Land geworden, das Pogrome gegen Asiaten zuließ, Schwarze und andere Nationalitäten generell dazu anhält, das Land zu verlassen. Kurz gesagt, der Autor Ward Moore entwickelt ein wahres Horrorszenario ohne gleichen. Und gerade diese Erzählweise, die dem Heranwachsen von Hodge folgt, ist zu keiner Zeit marktschreierisch. Vor diesem Hintergrund folgt der Leser Hodge und seinen Erlebnissen im späteren Verlauf in Haggershaven, einer kleinen Oase im zunehmenden Chaos, in dem Bildung und Tatkraft noch groß geschrieben werden, weshalb die Bewohner von denen im Umland lebenden Nachbarn misstrauisch beäugt werden.

Hodge ist eine liebenswerte Figur, dessen Bemühungen, Wissen zu erlangen, man als Leser gerne verfolgt. Zum Zeitpunkt, wenn die Geschichte phantastischer wird, durch die Erfindung der Zeitmaschine, ist der Leser bereits so tief im Realismus der Geschichte gefangen, dass auch dieser neue Aspekt glaubhaft erscheint. Ein wenig fühlt man sich an den Klassiker "Die Zeitmaschine" erinnert.

Fazit: Sehr gut. Der Roman ist Science Fiction auf einem hohen Niveau, mit Liebe zum Detail erzählt. Leser, die eine ruhige Geschichte mit gut beschriebenen Charakteren vor einem ausgefeilten Hintergrund mögen, können mit diesem Buch wohl kaum einen Fehlgriff tun.

Bildquelle: Heyne

[ mn ]


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Autor: Ward Moore
Übersetzer: Walter Brumm


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