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Startseite » Roman » SCIENCE FICTION » I.N.R.I. oder Die Reise mit der Zeitmaschine

SCIENCE FICTION: I.N.R.I. oder Die Reise mit der Zeitmaschine

Verlag: Heyne Verlag
Ausgabe: Taschenbuch
Original-Titel: Behold The Man
Erschienen: 1991
ISBN: 3-453-30294-X
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Inhalt:
Karl Glogauer wächst in England auf. Zeit seines Lebens ist er hin und her gerissen zwischen seiner jüdischen Identität und seinem Hang zu christlichen Mystizismen und den Interpretationen Jungs.
Seine Kindheit ist eine Aneinanderreihung kleiner Katastrophen. Keiner mag ihn so recht, Kinder wollen ihn verprügeln, der Vater hat die Familie verlassen, viele wollen ihn zur Härte erziehen.
Karl kann nicht anders. Er beginnt schon früh, sich selbst für einen Versager zu halten und steht sich so fortan selbst im Weg. Er versucht so manches, beruflich wie privat, aber letztlich kommt nur eine Kette des Scheiterns dabei heraus. Aufgaben langweilen ihn schnell, Beziehungen werden beendet, weil er es nicht akzeptieren kann, dass andere etwas Gutes in ihm sehen.
Seine engste Beziehung zu einer Frau, Monica, schwankt zwischen Streitgesprächen über religiöse Urmythen und leicht pervers angehauchtem Sex.

Eines Tages gelingt Karl der Ausbruch aus seinem vermeintlich verkorksten Leben. Einem befreundeten Wissenschaftler ist die Erfindung einer Zeitmaschine gelungen. Erste Versuche mit Tieren waren erfolgreich, nur für die zeitreisenden Versuchsopfer auch recht schmerzhaft.
Trotzdem bietet sich Karl als erster Versuchsmensch an. Seine Bedingung: Er will die Zielzeit der Reise selbst bestimmen. Im Jahre 28 nach Christi Geburt materialisiert er sich. Schnell macht er die Bekanntschaft von Johannes, dem Täufer, doch seine Befürchtungen werden zu Erschrecken, als er erfährt, dass noch nie jemand von Jesus gehört hat.
Völlig entkräftet wankt er durch die Wüste nach Nazareth und stellt dort Nachforschungen an. Seine klein gezimmerte Welt und das Bild, das er von ihr hatte, stürzt vollends in sich zusammen, als er die heilige Familie kennen lernt. Josef ist ein mittelloser Zimmermann, Maria ist eine miese Schlampe und ihr Sohn Jesus ein schwachsinniger Kretin.
Die Erkenntnis, die christliche Religion wird sich nie erfüllen, trifft ihn wie ein Schlag. Doch schneller als ihm lieb ist, schlittert er in eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, an deren Ende Karls Tod am Kreuz steht.

Meinung:
Der Roman von Michael Moorcock war zu der Zeit seines Erscheinens (1969) provokant und ist es eigentlich immer noch.
Es ist ein klassischer Science Fiction Roman, der sich der Aufgabe stellt, Themen zu behandeln und Fragen zu stellen. Er stellt Religionen im Allgemeinen, jüdischen und christlichen Glauben im Speziellen in Frage. Der Autor schickt den Leser auf zwei Zeitreisen. Einerseits in die weit entfernte Vergangenheit, in die Zeit, in der der Mythos des Messias seinen Höhepunkt fand, andererseits in die jüngere Vergangenheit, in das Aufwachsen des Karl Glogauer.
Die Auseinandersetzung mit seiner Person gibt dem Roman die Tiefe, die er braucht, um ihm seine blasphemische Schärfe zu nehmen. Glogauer ist vom Märtyrium fasziniert, sieht er sich doch selbst in dieser Funktion. Seine größte Kritikerin, Monica, die Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt, hält ihm vor, jeder Mann würde sich insgeheim für einen Märtyrer halten.
Als er die Gelegenheit erhält, den Mythos, die Religionsgründung zu erfüllen, muss er nicht zögern, sondern er wächst in die Rolle hinein. Er ist anders, ob er will oder nicht und die Menschen jener Zeit wollen glauben, egal was. Ob es ihm anfänglich gefällt oder nicht, Karl gibt sich wie ein Prophet. Schweigsam, seltsam.
Seine rudimentären Fähigkeiten als Psychiater erlauben es ihm sogar, Menschen von eingebildeten Krankheiten zu heilen: Wunder. Schließlich stellt sich Karl vor die eigene Wahl. Er müsste nicht sterben, aber endlich ergibt sein Leben einen Sinn. Er kann die Rolle seines Lebens spielen, und die Menschen nehmen Notiz von ihm, sie respektieren ihn.
Schließlich ist er es, der Judas den Auftrag gibt, ihn bei Pilatus anzuzeigen. Als er am Ende alleine auf Golgatha am Kreuz hängt, dämmert es ihm zuletzt, dass er einen Fehler begangen hat. Sein Flehen, ihn vom Kreuz zu nehmen, verhallt vor den ungerührt würfelnden Römern.
Je nach Einstellung dürfte der Roman zwiespältige Reaktionen hervorrufen. Streng gläubige Christen sollten die Finger von dem Buch lassen. Andererseits, wer aufgeschlossener ist, und wem nicht der Sinn nach Filmen steht, in dem der Kreuzestod als Massaker inszeniert wird, wird mit I.N.R.I. einen interessanten und nie langweiligen Roman vorfinden.

[ mn ]


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Autor: Michael Moorcock
Übersetzer: Alfred Scholz


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