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SCIENCE FICTION: Die Transformation

Verlag: Heyne Verlag
Ausgabe: Taschenbuch
Original-Titel: He walked among us
Erschienen: 05 / 2002
ISBN: 3-453-21352-1
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"Raumstation Micky Maus" – Dieses kurze Zitat fasst wohl am besten den Grundgedanken des Romans von Norman Spinrad zusammen.

Zur Handlung:
Dexter A. Lampkin ist ein relativ bekannter Science Fiction Autor, der, was nicht viele seiner Kollegen von sich behaupten können, von seiner Arbeit leben kann. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen reinen SF-Geschichten, Autorenarbeiten für Zeichentrickserien oder als Schreiberling für das Fernsehen.
Texas Jimmy Balaban ist ein Agent, natürlich kein geheimer, sondern einer von der Sorte, die Künstler vertreten. Sein Erfolg ist bei weitem nicht so hoch wie der von Lampkin in seiner Sparte. Eines Tages beobachtet Balaban im Saal eines miesen Hotels einen Stand-Up-Comedian, der sich, platt gesprochen, benimmt, als wäre er im falschen Film.

Ralf, so der Name des Unikums, hatte sich auf einen Aufenthalt in den 60er Jahren eingerichtet, muss dann aber sichtlich entrüstet feststellen, dass er mit seiner Hippie-Montur in den 90er Jahren nicht sehr gut ankommt. Ralf behauptet, aus der Zukunft zu kommen, aus einer Welt, die unsere Generation mit ihrer Verantwortungslosigkeit zu Grunde gerichtet hat. Die Affen-Boys, so Ralfs Standardbeleidigung für uns, seien schuld, dass die Sonne einem binnen Sekunden die Haut vom Leib löse und die Menschheit gezwungen sei, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die zwar nahrhaft sei, aber so schmecke und aussehe wie Kotze.

Texas Jimmy vermutet hinter Ralfs Getue eine Masche, keine besonders ausgereifte, aber eine, auf der sich aufbauen lässt. Endlich, nach so vielen Jahren, meint er einen Künstler gefunden zu haben, der groß heraus kommen könnte. Dass Ralf seine Masche auch abseits der Bühne beibehält? Na, und? Dass seine anfänglichen Geldmittel druckfrische 100 Dollar Noten aus den 60ern sind, macht nachdenklich, aber … Egal, hier geht es um Showbusiness. Man muss nicht alles erklären können.

Talent ist nicht alles. So wird Ralf erst einmal auf Stromlinie gebracht. Amanda, die sonst eher Seminare für Selbsterfahrung abhält, wird für den rüde auftretenden Ralf als Personality Trainer angeheuert. Ralfs erste Erfolge machen Texas Jimmy zuversichtlich. Als Ralf jedoch eine 13wöchige, tagtäglich laufende eigene Sendung im TV bekommen soll, muss mehr her als plumpes Quatschen: ein Konzept. An dieser Stelle kommt Lampkin wieder ins Spiel. Seine Arbeiten zieht er als Material für die Show "Ralfs Welt" heran. Ralf, der Mann aus der Zukunft, ein proletenhafter Messias, der Tacheles redet. Aber die Masche zieht beim breiten Publikum nicht. Lampkin will eine Lösung finden, denn die Arbeit an der Show bringt ihm mehr Geld als jeder SF-Roman. Das Zauberwort heißt: Fans!

Meinung:
Auf satten 1116 Seiten kommt der Roman daher. Spinrad malt ein satirisches Bild eines überdrehten Amerikas zwischen Spießbürgern, Fandoms, Selbsterfahrungstripps, Mediengeilheit und der Sucht nach Ruhm und dem Leben in der absoluten Gosse. Zwischen all diesen Themen schwankt sein Schreibstil zwischen "Einer flog über das Kuckucksnest" und "Letzte Ausfahrt Brooklyn".

Die Blicke hinter die Kulissen der Fandoms und SF-Cons sind durchaus selbstkritisch und lassen nicht allzu viele gute Haare an hysterischen, übergewichtigen Fans. Auf der anderen Seite braucht ein Autor Aufmerksamkeit und die nimmt er, wo er sie kriegen kann. Zentrum der Geschichte ist L.A., und diese Stadt bildet nichts anderes als den Sockel für Hollywood, die Heimat der Verrückten und Selbstverliebten. Wer es hier schafft, ist entweder der Größte (Größenwahnsinnigste) oder einer jener Halbgötter, deren Termin-Angebote man nicht ausschlägt.

Wie auch in dem Roman "Bilder um 11" zeigt Spinrad das Leben in den USA als ganz normalen Wahnsinn, in dem die Jagd nach den besten Einschaltquoten auf der gleichen Stufe steht wie die Jagd nach der nächsten Dosis Crack. Selbsterfahrung finden? Dann aber bitte mit Stil in einer abgelegenen Hütte mit hochmodernem Hauscomputer!

Der Roman ist treffsichere Satire, mit Pointen versehene Analyse dessen, was sich tagtäglich in den Medien abspielt. Das schlimme ist, man glaubt, dass es tatsächlich so ist. Wie bringt man jemanden groß raus, der den Menschen im absoluten Medienzirkus den Spiegel vorhält? Der weniger komisch als bösartig ist. Den man nicht sehen will. Wie manipuliert man die Medien? Nun, Star Trek wird in diesem Buch auch als Beispiel herangezogen. Diese Serie wollte zu Beginn auch nur eine Minderheit sehen, doch die Fans heulten auf, als ihre Lieblinge abgesetzt wurden. Jetzt sollen die Fans von "Ralfs Welt" ran.

Fazit:
Das Buch ist vielschichtig. So vielschichtig, dass die einzelnen Abschnitte, Beschreibungen jeweils ausreichend für eine alleinige Geschichte wären. Ralf, der verrückte Comedian, ist das Dach, was alles verbindet. Alle, die so genannten Normalen, halten ihn mehr oder weniger für irre, doch nach und nach muss man sich fragen, wer die wahren Irren sind. Neben aller Unterhaltung bietet auch dieses Buch von Spinrad bei genauerem Lesen wieder einen bitteren Beigeschmack. Wie wird der nächste Messias kommen? Vielleicht in Form eines Ralf?

Bildquelle: Heyne Verlag

[ mn ]


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Autor: Norman Spinrad
Übersetzer: Horst Pukallus


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