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HOMEPAGES: MegaTokyo


Im Jahre 2000 schufen Fred Gallagher und Rodney Caston die Webcomic-Serie Megatokyo. Nach eigener Aussage hat sich Fred lange Zeit gegen die Idee seines Freundes Rodney gewehrt und zeichnete schließlich ein paar Episoden, damit Rodney endlich die Klappe hielt. Nur war dem nicht so. Die Idee war, wir zeichnen einen Webcomic. Wie Handlung, oder wenigstens ein roter Faden, in die kurzen Episoden gebracht werden wollte, stand überhaupt nicht fest.
Schließlich stieg auch Fred mit ganzem Mut in das Projekt an. Die Episoden sollten an drei Tagen der Woche erscheinen, die zeitliche Folge sollte eingehalten werden, egal welche Widrigkeiten im echten Leben warteten. Vom Wunsch, die einzelnen Episoden nicht nur zu zeichnen, sondern auch zu tuschen, verabschiedete sich Fred mangels Zeit sehr schnell wieder.

Fred und Rodney brachten sich selbst als Figuren in den Comic ein und alles begann mit einem Besuch auf der E3, der international bekannten Spielemesse. Nur leider, leider hat nur Fachpublikum Zutritt. Piro (alias Fred) und Largo (alias Rodney) gehören zu den größten Zockern vor dem Herrn, weshalb der Ausschluss von dieser Veranstaltung beinahe ein Weltuntergang ist. Aber die beiden sind findig und geben sich als Angestellte einer Spieleschmiede aus, deren Mitarbeiter zu häufig wechseln, so dass niemand ihre Aussage prüfen kann.
Allerdings artet Largos Benehmen während der Messe ein wenig aus. Im betrunkenen Zustand stimmt er einem kleinen Reisetrip zu. Als er wieder zu sich kommt, sitzt er neben Piro in einem Flugzeug: Reiseziel Japan. Angesichts der Spiele, die sie dort drüben erwarten – noch vor Erscheinen auf dem us-amerikanischen Markt – beruhigt sich Largo schnell wieder. Kaum gelandet nimmt sie ihr japanischer Freund Tsubasa mit auf eine weitere Spielemesse. Wieder einmal kann Largo unter Beweis stellen, dass er nichts von Frauen versteht – eine virtuelle Frau schlägt ihn über ein Force-Feedback-Pad nieder, eine echte Frau bricht ihm einen Arm, weil er unterstellte, ihre Brüste seien zu groß, um echt zu sein.
So steht Largo aufgrund eines Unfalles sogar mit zwei gebrochenen Armen da. Aber Largo weiß sich zu helfen und spielt mit der Zunge. Das kommt den Japanern jedoch etwas unheimlich vor. (zu Tsubasa: "Bitte nehmen Sie sie mit. Sie machen uns Angst.")

Bezeichnenderweise sind Piro und Largo zwar riesengroße Spieler, die auch um ihren Zustand wissen, der ein wenig fanatisch ist, allerdings ist das Spielen trotz alledem sekundär. Wichtiger ist die Konstellation der beiden Hauptdarsteller zueinander. Piro, der Besonnene, Largo, der Kindskopf. Letzterer ist zweifellos für die Lacher, häufiger jedoch für die Schmunzler zuständig. Und zu schmunzeln gibt es ständig etwas. Es ist jene Art von Humor, die einen die jeweilige Seite erneut lesen lässt und dann zündet es erst richtig. Der Humor ist schwer zu beschreiben, manchmal etwas albern, aber intelligent, doch das wichtigste Merkmal ist Charme.
Die Geschichte an sich besitzt Charme und auch der Humor ist charmant. Er wirkt ein wenig gedämpft, ein bißchen englisch, durchtrieben. Fred Gallagher schreibt, die einzelnen Episoden seien etwas planlos im Web erschienen. Das ist schwer vorstellbar, sollte es allerdings stimmen, besitzen Fred und Rodney ein unglaublich gutes Händchen und Instinkt für eine gute Geschichte.

"Megatokyo wächst und gedeiht einzig aufgrund der Menschen, die das Lesen des Comics zum festen Bestandteil ihres Tagesablaufs gemacht haben. Menschen wie ihr, die Unmengen Zeit in Foren verschwenden und permanent RELOAD drücken, wenn es Zeit wird für den neuen Strip." (Fred Gallagher)

Megatokyo ist ein Webcomic, dessen erste 133 Episoden in einem Taschenbuch zusammengefasst worden sind. Für die Umsetzung als Heft oder Buch bringt dies einige Besonderheiten mit sich. In einem Webcomic ist es zum Beispiel nicht relevant, wie die Aufteilung der Bilder erfolgt, man muss keinem Format folgen und hat keine drucktechnischen Gegebenheiten zu beachten. So entstand für die Druckumsetzung Leerraum, den Gallagher auf jeder Seite für Anmerkungen zur jeweiligen Episode nutzte. Ob beabsichtigt oder nicht, die kleinen Beschreibungen geben dem Humor noch ein weiteres Zückerchen.
Letztlich sind die Zeichnungen wirklich süß – darf man das überhaupt sagen? Man könnte auch sagen: charmant, liebenswert. Es ist ein Zeichenstil, bei dem man liest und sich freut. Es lässt sich nicht anders sagen. Die feinen Zeichnungen, rein in Bleistift ausgeführt, kommen mit sehr wenigen Schattierungen aus und sind so fein, dass sie beinahe wie Radierungen wirken.

Beide Daumen rauf für ein absolut gelungenes Lesevergnügen! – Und Fred Gallagher hat noch einen Tipp parat: Wer nach der Lektüre noch nicht genug hat, geht anschließend auf megatokyo.com und liest dort bei Episode 134 weiter. (Und da hat der Leser noch genug zu tun. Denn die aktuelle Anzahl der Episoden, zum Zeitpunkt des Artikels, ist bei 709!)

[ mn ]


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