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COMIC: Historisches im Comic


Historische Anklänge haben in Comics inzwischen eine gewisse Tradition. Ich glaube, sie haben mittlerweile die Aufgabe der historischen Malerei übernommen.
Sicherlich gibt es die Fotografie, die vieles überliefert und festhält.
Der Comic aber bewegt sich irgendwo auf der Grenze der Malerei und des Romans. Er erinnert einerseits an jene Grafiken, die Reisende in ihre Tagebücher eintrugen oder als Aquarelle zu Papier brachten.
Er ist zu Interpretationen in der Lage und schafft so ein atmosphärisch viel dichteres Bild. Außerdem greift er zuweilen auf Zeiten zurück, in denen es noch keine (oder nur wenig) vorbildhafte Fotografie gab. Oder es geht thematisch noch weiter zurück.

Szenarien wie MAUS von Art Spiegelman sind sehr bewegend. Freilich wurden auch Themen wie der Balkankrieg oder die Konflikte in Palästina behandelt. Auch der 11. September wurde nicht außen vor gelassen (u. a. wieder Art Spiegelman mit In The Shadow Of No Towers oder von verschiedenen Autoren 9-11).
Natürlich geht mit einem Comic auch stets eine Meinung einher, nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer Botschaft. Ich weiß nicht so recht, ob ein Comic auf jedes Thema anwendbar ist oder sein sollte. Es ist immer auch ein Experiment und ob es funktioniert, weiß man erst, wenn es gemacht wurde.
Die Frage ist auch stets, ob die mit einem solchen Comic erreicht werden, die es angeht bzw. die der Autor selbst als Zielgruppe ausgesucht hat.
Bei derart aktuellen Themen, bei denen es genug Zeitzeugen und Dokumentationsmaterial gibt, bin ich nicht an einer Comic-Umsetzung interessiert. Den Holocaust als Comic zu thematisieren halte ich für äußerst heikel.

Interessanter wird es für mich bei Szenarien, die viel weiter in der Vergangenheit liegen. Beispielhaft sind hier für mich Alben-Reihen wie Die Gefährten der Dämmerung und Reisende im Wind von Francois Bourgeon. Natürlich sind die Gefährten mit einer gehörigen Portion Fantasy versehen. Das ändert jedoch nichts an der akribischen Darstellung dieser mittelalterlichen Welt. Besonders der dritte Band Das Fest der Narren fesselt. Der Umfang des Bandes lässt den wirklich enormen Inhalt erahnen. Daran bemessen, waren die Vorgängerbände gerade mal ein Prolog. Bourgeon schafft es in der Tat dem Mittelalter ein (wenn auch ein sehr, sehr dreckiges, furchtbares und sexuell völlig überfrachtetes) Gesicht zu geben.
Wer diese Art der Erzählung mag, die mit Realismus nicht geizt, wird auch an den Reisenden nicht vorbeikommen. Francois Bourgeon entführt den Leser auf den afrikanischen Kontinent in die Hochzeiten des Sklavenhandels. Bei diesem Künstler wird die Umgebung, das Land, die Epoche wegen ihrer Detailfülle stets zu einem weiteren Hauptdarsteller.
Für mich ist das wirklich Comic-Kunst in Reinkultur.

Alternativ dazu und völlig gegensätzlich aufgebaut, lässt sich Rocketeer nennen. Weil es amerikanisch ist, ist natürlich auch die Thematik wieder verspielter (was nicht generell der Fall ist, siehe oben). Die Zeichnungen jedoch sind sehr exakt und spiegeln den technischen Part und einen Teil der Lebensart auf sehr schöne Weise wider (was nicht zuletzt auf den Auftritt von der Pinup-Ikone Betty Page zurückzuführen ist).
Dave Stevens schafft es auf sehr schöne Weise den technischen Umbruch der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zu zeigen. Man flog Rennen und die Unterhaltung gelangte zu ihrer ersten wirklich großen Blüte (mit allem, was dazu gehört).
Im Gegensatz zu Bourgeon zeichnet Stevens geradezu sklavisch exakt, obwohl beide zweifellos den gleichen vorbereitenden Aufwand betrieben haben.

Mir gefällt beides sehr gut, denn jeder Stil unterstreicht auf seine Art auch die Geschichte. Ich wünschte mir noch mehr davon.

[ mn ]


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