Startseite
Kreativ-Ecke
Fiction Zone
Webcomics
Netz-Report
Aktionen
Rezensionen
Roman
Comic
Film
Infos
Impressum
FAQ
Startseite » Fiction Zone » FRAGMENTE » Zoobot 10

FRAGMENTE: Zoobot 10


Ein Ledersessel mit riesigen Ausmaßen, der wie alles in diesem Raum zu groß war, stand vor einem Schreibtisch, auf dem man hätte Tischtennis spielen können. Ein paar Schreibgegenstände lagen dort herum, aber keineswegs unordentlich. Ein Computerbildschirm mit einem im Tisch eingelassenen Mikrofon gab es ebenfalls. Rainer von Wertenbruch besaß eines dieser Terminals, die bereits auf Sprache eines bestimmten Benutzers reagierten. Natürlich war dies ein Produkt seiner Firma und er war stolz darauf.
Längst hatte er sich vom Fenster abgewandt und Platz genommen. Dieser Bürostuhl war kein einfacher Stuhl. Es war ein Thron, sein Thron. Von hier aus besaß er die Macht, alles zu lenken.
Zurückblickend mußte er sich eingestehen, wie schwer dieses Imperium aufzubauen gewesen war. Auf einigen Gebieten der Hardwareherstellung im Computerbereich waren sie einmal ganz kleine Fische gewesen. Schließlich gelang es den Japanern und den Amerikanern gerade dort den Rang abzulaufen. Ein riskantes Unterfangen, denn die Konkurrenz war gewiß nicht zimperlich. Auf Härte reagierte man mit Härte und mit einer gehörigen Portion Mut, sowie Risikobereitschaft. Der Rest kam von selbst. Gestern noch der Sohn eines Einzelhandelkaufmanns, heute der Chef eines Konzerns, der auf der Welt seinesgleichen suchte.
Diese Beweihräucherung genehmigte sich von Wertenbruch täglich. Sie gab ihm neue Kraft, neuen Antrieb.
In diesen frühen Morgenstunden war er stets der Erste in der Firma. In den Anfängen war das so gewesen und jetzt sollte sich nichts daran ändern.
"Computer, aufwachen." Dieser Spruch war sein persönlicher Zugangscode.
"Ich möchte die Daten von Harald Steinmetz. Beruf: Sozialpädagoge."
Der Schirm blieb kurz dunkel, dann erschienen die angeforderten Daten. Der Konzernchef las angestrengt. Der Lebenslauf war makellos. Keine Lücke und keine schwarzen Stellen auf der weißen Weste des Harald Steinmetz kamen zum Vorschein. Es ließ sich noch nicht einmal erahnen, ob vielleicht ein verdeckter dunkler Punkt existierte. Nichts.
"Harald Steinmetz. Private Ermittlungen."

Die privaten Ermittlungen waren nicht viel interessanter. Die Detektei, eine seriöse Ermittlungsagentur, hatte wie immer ein abgerundetes Bild des Zielobjekts geliefert. Auch hier ließ sich nichts ablesen, was eine Einstellung von Steinmetz verhindert hätte. Nur eines hatten Lebenslauf und Ermittlungen gemeinsam.
Harald Steinmetz war ein recht naiver Bursche. Das ging sogar aus dem Bewerbungsschreiben hervor. Und diese Naivität war es, die ihn zu dem idealen Mann für diesen Job machte. Dieser Mann würde keine Fragen stellen, sondern das tun, was man, genauer gesagt, was von Wertenbruch ihm auftrug.
Eine Sirene, fast zu lieblich in ihren Tönen, hallte über das Werksgelände. Dienstbeginn. Wehe dem, der jetzt nicht an seinem Arbeitsplatz war. Unpünktlichkeit konnte der Chef nicht ausstehen. Jeder hier wußte das. Wenn Steinmetz ein pünktlicher Mensch war, mußte er sich im Vorzimmer befinden.
Die Gegensprechanlage summte.
"Ja?" Er legte bewußt Autorität in die Stimme, soweit das überhaupt noch möglich war.
"Guten Morgen, Herr Direktor. Hier ist ein Herr Steinmetz, den sie zu sprechen wünschen."
"Schicken sie ihn rein, mein Kind. Und ich möchte solange nicht gestört werden, wie ich mich mit Steinmetz unterhalte."
"Selbstverständlich."
Es klopfte sachte an der Tür.
"Herein!"
Eine der bronzenen Türhälften wurde aufgedrückt. Steinmetz schob so stark er konnte und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihm dies zu schaffen machte.
Schließlich stand er im Türrahmen und kam sich in seinem besten Anzug ziemlich dumm vor, irgendwie fehl am Platz.
"Guten Morgen, Herr von Wertenbruch."
"Kommen sie rein, junger Mann und schließen sie die Türe hinter sich."

[ mn ]


«Zurück | Seitenanfang

DER KLEINE KRIEGER
FRAGMENTE
GURKENTRUPPE
SATIRE

Im Zeichen des roten Sessels

Werbung