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FRAGMENTE: Zoobot 09


Der Fahrer kurbelte wild am Lenkrad herum. Steinmetz griff nach der Türverkleidung. Verzweifelt suchte nach einer Möglichkeit sich festzuhalten. Sein Körper verkrampfte sich. Jeden Moment erwartete er den Aufprall. Ein Laternenpfahl schoß auf sie zu. Ein letzter Schlenker des Wagens, die Räder fanden erneut Halt auf dem Straßenbelag. Holpernd fuhr das Auto über die Bordsteinkante und schlitterte an dem metallenen Mast vorbei.
Eine Schweißperle lief Steinmetz über die Stirn.
Der Berliner Taxifahrer bekam den Wagen unter seine Kontrolle. Er trat auf die Bremse. Mit quietschenden Bremsen gelangte der Oldtimer zum Stillstand.
"Wir sind da."
Steinmetz sagte gar nichts. Das Taxameter verkündete eine horrende Summe für diese Amokfahrt.
Eigentlich müßte ich Geld diese Horrortour bekommen und nicht auch noch dafür zahlen.
Aus der Geldbörse zog er einige Scheine, murmelte: "Stimmt so." und stieg, so rasch es seine verkrampften Glieder erlaubten, aus. Nachdem er die Tür hinter ins Schloß geworfen hatte, stakste er durch Schnee in das bekannte Café.
Auch W-2114 war vom Wagen abgesprungen. Die Schleuderpartie hätte ihm beinahe einen Genickbruch eingebracht. Hätte er nicht aufgepaßt, wäre eines seiner Leben an einem Laternenmast geendet. Mit einer verstauchten Hinterpfote stand der Kater nun im Schneematsch. Vor ihm verschwand Steinmetz durch die Tür des Caféhauses. Ihm war sehr wohl bewußt, daß er dem Menschen dorthin nicht folgen konnte. Er würde warten. Und sei es bis zum jüngsten Tag. Katzen hatten nicht nur neun Leben, sondern auch darüber hinaus viel Zeit.
Im Kaffee Kranzler ging Harald Steinmetz in die obere Etage. Ein Fensterplatz an einem kleinen runden Tisch war noch übrig. Dies war genau das richtige für ihn. Er wollte heute nicht mehr gestört werden. Die niedliche kleine Kellnerin servierte im kurz nach seiner Bestellung eine heiße Schokolade mit Sahne, die ihn auf andere Gedanken brachte.

Kapitel 3

Eine strahlend helle Morgensonne schien auf den futuristischen Bau von Zoobot Elektronik. Einige Amseln ließen sich von den Verbotsschildern nicht beeindrucken. Sie flogen innerhalb des Geländes herum, hüpften durch kahle Gebüsche, pickten hier, scharrten dort, immer auf der Suche nach Nahrung. An ein paar Ästen hatte eine wohlwollende Seele einige Meisenringe und anderes Vogelfutter angebracht. Hier tummelten sich nun viele Vögel und nahmen sich, soviel sie bekommen konnten. Sperlinge sprangen am Boden umher, versanken in den für sie haushohen Schneewehen und entrissen sich gegenseitig ihre Beute.
Der Wachmann, der seinen vorgeschriebenen Weg an diesem Morgen nahm, ließ seinen Schäferhund an langer Leine laufen. Mit seiner feuchten kalten Nase erschnüffelte dieser die kleinen gefiederten Wesen, aber er hielt sich zurück. Ihm war beigebracht worden, nur bei zweibeinigen Eindringlingen Laut zu geben.
Äußerst zufrieden stand Rainer von Wertenbruch am Panoramafenster seines ausladenden Büros, während seine Augen jede Bewegung dieser einfachen Szenerie verfolgten. Der Wachmann, der auf dem Trampelpfad durch das Gebüsch seiner Arbeit gewissenhaft nachkam, erregte kaum sein Interesse. Vielmehr die Sperlinge, die er immer Kleine Kommunisten nannte, fand er viel wichtiger. Hier wurde, wie überall auf der Welt, das Recht des Stärkeren praktiziert und in aller Einfachheit vorgeführt.
Er setzte seinen Rundblick fort über sein Reich, sein Werk. Die Vision, welche ihn zu dieser Utopie geführt hatte, nahm hier Gestalt an. Hier wurde Zukunft geschrieben. Hier wurde das geschaffen, auf das die Menschheit später Fuß fassen konnte.
Zwar besaß von Wertenbruch eine Villa am Rand von Berlin, aber die meiste Zeit verbrachte er hier. Durch die Gänge seines stählernen Schlosses wandelnd, die Fäden seiner Marionetten ziehend, sinnierend und präzise voraus planend.
Er besaß die Macht, Änderungen herbei zu führen. Kein Politiker, kein Wissenschaftler mit einem falschen Verständnis für seine Arbeit, seine Träume, würde ihn daran hindern, sein Werk zu vollenden.

[ mn ]


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