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FRAGMENTE: Zoobot 08


Ein weiteres Paar Katzenohren lauschte in die abendliche Stille. Auf einmal erhaschten sie aus der Ferne ein Motorengeräusch. Das bestellte Taxi für diesen zweibeinigen Bastard kam. Die schwarzweiß gesprenkelte und demzufolge gut getarnte Katze sah zu W-2114 herab. Ein kurzer Blickkontakt wurde hergestellt.
Keine Initiative ergreifen. Vorgänge abwarten. Beobachten.
Fertigmachen. Ich will ihn fertigmachen.
Nein. Gehorche den Befehlen.
Widerstrebend ruckte der Siamkater den Kopf zur Seite. Mit einem haßerfüllten Blick zog er sich weiter hinter die Mülltonnen zurück. Er spannte die Beine an und wartete. Vor ihm im Schnee hüpfend, so ahnungslos, war dieser hagere Idiot. So leicht. Es wäre so leicht, ihn zu erledigen.
Das Dröhnen des heranfahrenden Taxis wurde lauter. Große Reifen mit tiefen Profilen kämpften sich durch die verschneite Straße. Das Knirschen dieses sehr trockenen Schnees übertönte fast den Motor.
Steinmetz hörte mit dem Hüpfen auf. Er spähte um die Ecke des Torbogens. Mindestens Baujahr 2000, also schon uralt, fleckig anzusehen, so hielt das Taxi auf den gegenüberliegenden Straßenrand zu. Harald lief, so schnell er konnte, um den Wagen herum, riß die Beifahrertür auf und ließ sich in den Sitz fallen.
Wenigstens die Heizung funktionierte. Aber ansonsten war alles ungeheuer heruntergekommen. Ein verschmierter Rückspiegel, ein überquellender Aschenbecher mit hervorstehenden Zigarrenstümpfen. Das Lederimitat unter ihm mit Rissen durchsetzt. Armaturenbrett, Sitze, einfach jede Oberfläche war gelblich schmierig mit einer dünnen Nikotinschicht überzogen.
Steinmetz zitterte nicht mehr so stark. Angewidert rümpfte er die Nase. Dieser Taxifahrer konnte gewaltigen Ärger bekommen, wenn jemand von der Gesundheitsbehörde diesen Schweinestall zu Gesicht bekam.
" Wo sollet denn hinjehen, Mester?"
"Zum Ku-damm. Kaffee Kranzler, bitte"

"Ick wess, wo det is, Mester."
"Entschuldigung."
Der Fahrer trat auf das Gaspedal und das Automatikgetriebe gehorchte brav. Wenigstens der Motor war zuverlässig. Steinmetz versuchte etwas im Rückspiegel zu sehen, aber vergebens. Auch der rechte Außenspiegel brachte kein Ergebnis. Es war, als würde eine rückwärtige Welt nicht existieren.
Der Siamkater hetzte aus seinem Mülltonnenversteck hervor. Die Beine stachen in den tiefen Schnee, aber W-2114 spürte die Kälte nicht. Er beschleunigte und erreichte im allerletzten Augenblick die Stoßstange des davonfahrenden Autos. Die Krallen der Vorderpfoten gruben sich in die Dreckschicht auf dem Metall, die Hinterbeine stießen sich noch einmal ab. Langsam sich aufrappelnd, fand er sicheren Halt und überdauerte die 20minütige Fahrt so auf der Stoßstange.
W-2114 haßte diesen Auftrag. Abgase stiegen ihm in die Nase. Unbewußt begannen seine Augen zu tränen. Der Sicht beraubt, schüttelte er seinen Kopf, so daß die salzigen Tropfen mit dem Fahrtwind davonflogen.
Der Wagen nahm die Kurven grundsätzlich haarscharf. Steinmetz fragte sich langsam, ob der Taxifahrer ihm Angst machen wolle. Im Mund des Fahrers wanderte ein Zigarrenstummel von einem Mundwinkel in den anderen und verriet höchste Konzentration. Längst war die Zigarre ausgebrannt, nur der Besitzer schien sich nicht die Mühe machen zu wollen, sie erneut zu entzünden.
Vielleicht wollte er sie als Kautabak verwenden? Schrecklicher Gedanke, widerlich.
Wieder eine harte Kurve, die Steinmetz in den Sitz preßte.
Hoffentlich sind wir bald da.
Doch die Straßenlichter mehrten sich. Ein Zeichen dafür, daß sie ins Stadtzentrum gelangten. Jedenfalls das, was Neuankömmlinge als Stadtzentrum empfanden. Auf einmal rutschte der Wagen seitlich weg. Die Reifen hatten ihre Haftung verloren.
Nein, bitte nicht! Alles, bloß das nicht. Habe ich denn heute nur Pech?

[ mn ]


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