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Startseite » Fiction Zone » DER KLEINE KRIEGER » Geisterjagd # 05

DER KLEINE KRIEGER: Geisterjagd # 05


Die Grimmschis waren derer zwanzig an der Zahl. Die meisten von ihnen saßen im Kreise des Lagerfeuers. Sie scherzten über ein paar Sklaven, die sie in der Vergangenheit eingefangen hatten, kleine Dreggen aus einem Dorf in der Nähe von Gre'Affan. Wie sie gebettelt und danach gezetert hatten! Genutzt hatte es ihnen natürlich nichts. Die Grimmschis polterten los wie über einen guten Witz, als sie sich darüber ergingen, wie die Dreggen in der Arena von Gre'Affan wohl gegen einen Fando bestehen würden.
Ihr Lachen klang wie das heisere Husten eines Grumpf, jenes abscheulich schmeckende Nutztier, welches stets für seinen dummen Gesichtsausdruck belächelt und verhöhnt wurde. Die Grimmschis tranken sauren Wein und aßen Dörrfleisch. Ihre spitzen Zähne rissen große Fetzen aus den trockenen Fleischvorräten. Während die meisten sich amüsierten, zählten einige wenige ihre Bezahlungen der letzten Raubzüge. Die Gewinne fielen sich mehr sehr groß aus. Zwar gab es immer noch Bedarf an Sklaven, aber die wenigsten Dreggen kauften sie noch. Einerseits waren Arbeitskräfte, die bloß ein geringes an Versorgung erforderten, wichtig für manche Zünfte, andererseits scheuten die Dreggen nach dem Niedergang ihres Königs Dreggen Sois II. den Einsatz von Sklaven. Zu viele dieser unfreiwilligen Arbeiter hatten den Aufstand nach der großen Kälte genutzt, um fürchterliche Rache zu nehmen für die vielen grausamen Jahre der Unterdrückung und Knechtschaft.

Der Anführer der Grimmschis war ein schwerer und muskulöser Kerl. Seine Gesichtsmaske gab ihm ein noch finstereres Aussehen als dem Rest seiner Bande, die ebenfalls mit dem traditionellen Kleidungsstück ihres Volkes ausgestattet waren. Die Zeiten waren schlecht, befand der Anführer. Unruhig und aufgebracht tapste er um den Kreis seiner Mannen herum und schwang dabei eine dornenbewehrte Keule. In Niando Nalhap Dendo wartete Beute. Wuffel und Dracoluun, ahnungslos und wehrlos. Sie würden keinen guten Preis in Gre'Affan erzielen, doch immerhin ein angemessenes Entgelt für ihre Strapazen und ihre Reise durch die Wüste darstellen. Es war an der Zeit, neue Jagdgründe zu erschließen. Vielleicht sollten sie das Land an der Küste umrunden und so versuchen die große Wüste zu umgehen. Dahinter würden neue Gebiete auf sie warten, reich an Ware und Märkten. Sklaven brauchte jeder irgendwo immer.

Er war nicht so in Gedanken versunken, dass er die Bewegung am linken Rand des Turmes nicht wahrnahm. Zuerst deutete er sie falsch. Möglicherweise war es lediglich ein kleines Tier oder eine Staubfahne. Als er sich ihr jedoch zuwandte, erkannte er für einen sehr kurzen Augenblick zweierlei. Kleine Gestalten huschten in den Eingang des Turmes und verschwanden darin und davor bauten sich zwei weitere Gestalten auf, die ihm an Größe durchaus gleichkamen. Die eine Gestalt war offensichtlich eine Frau, graziler und mit langen Haaren ausgestattet, die andere Gestalt ein Mann, einen Kopf größer als sie. Beide hielten Schwerter in den Händen. Die Frau lächelte höhnisch und klopfte mit der flachen Seite ihrer Schwertklinge auf ihre geöffnete Handfläche.
Verwundert öffnete der Grimmschi sein Maul, da tauchten die beiden fremden Krieger wie ihre Vorgänger in den Schatten des Turmeingangs unter. Mit einem schrillen Schrei alarmierte der Anführer seine Gefährten. Diese reagierten nicht sogleich. In dieser Einöde rechneten sie nicht mit unvorhergesehenen Vorkommnissen. Die einen hielten es gar für einen Scherz ihres Anführers und kauten ohne sichtliche Nervosität weiter an ihrem Dörrfleisch. Erst ein Tritt in ihren Rücken überzeugte sie von der Ernsthaftigkeit der Lage. Fremde waren in den Turm eingedrungen. Sie waren im Turm! Das war ein außerordentliches Problem für Grimmschis.

***

Derweil hetzten drinnen Feeial und Rotan die Stufen hinauf. Der kleine Krieger und Keinfussabhand waren nicht mehr zu sehen. Sie erfüllten hoffentlich ihre Aufgabe und brachten den Geist ordentlich in Rage.
"Ich hoffe", ächzte Rotan, dem die schmalen Stufen Mühe bereiteten, "es ist den Aufwand wert und die beiden schaffen ihren Teil des Plans!"
"Es wird gelingen", antwortete Feeial, die ihm vorauseilte und weniger außer Atem war als der alte Dreggen.
Bald schon erreichten sie den kleinen Wachraum. Von Hutzel Longear und Keinfussabhand war weit und breit nichts zu sehen und zu hören. Feeial lauschte am Eingang des Raumes die Stufen hinab.
"Ich höre nichts." Die Vampirelfe horchte eindringlicher, aber kein Laut drang die Wendeltreppe zu ihr herauf. "Ich höre wirklich nichts. - Ich glaube, sie verfolgen uns nicht. Aber sie haben uns doch gesehen!"
Rotan machte ein paar Schritte auf sie zu und stellte sich neben sie. Obwohl sein Gehör dem ihren an Schärfe in keiner Weise gleichkam, lauschte er ebenfalls in die Tiefe und versuchte sein Glück. Sie sprach die Wahrheit. Niemand kam ihnen nach. Im Turm unter ihnen war es totenstill. Und plötzlich fiel es Rotan wieder ein! Ein folgenschwerer Gedanke, ein verschüttetes Wissen, das vielen oft das Leben gerettet hatte und ihnen nun überhaupt nicht gelegen kam.
"Ich weiß es wieder", sagte der Kämpe sehr leise und betreten.
"Was weißt du?"
"Ich fürchte, sie werden uns nicht folgen." Rotan steckte sein Schwert in die Lederscheide zurück. "Jetzt nicht und auch später nicht."
Feeial verlor die Geduld, denn die Zeit drängte. "Sie werden uns nicht folgen? Was heißt, sie werden uns nicht folgen? Wir müssen für die Grimmschis doch eine willkommene Beute darstellen!"
"Grimmschis meiden Gebäude. Sie betreten sie nicht."
"Was heißt, sie betreten keine Gebäude? Was sollen das für Wesen sein, die keine Gebäude betreten?" Feeial ließ zu, dass ihr Zorn sie übermannte. Sie schlug mit dem Knauf ihres Schwertes auf Rotans Brustpanzer.
"Bei Kolras Hörnern! Ich weiß es doch auch nicht, warum sie keine Gebäude betreten! Das war es jedoch, was vielen Dreggen das Leben rettete. - Ich hatte es vergessen." Er zuckte mit den Schultern.
"Vergessen?" Ihren Horchposten aufgebend wandte sich Feeial dem nächsten Treppenaufgang zu. Selbst für den taubesten unter den Tauben drang der kreischende Schrei von oben vernehmlich an ihre Ohren.

Wird fortgesetzt.

Quelle: Der kleine Krieger

[ mn ]


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