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Startseite » Fiction Zone » DER KLEINE KRIEGER » Geisterjagd #04

DER KLEINE KRIEGER: Geisterjagd #04


Feeial zeigte auf die kleine Umgebungsskizze im Sand.
"Dort, auf beiden Seiten des Turmes", deutete sie auf die entsprechenden Stellen, "gibt es Lücken in der Mauer. An diesen Stellen können wir sie überraschen. Jeweils zwei von uns gehen durch diese Lücken, umrunden den Turm schnell, rennen durch den Eingang auf die mittlere Ebene."
Hutzel nickte beiläufig, aber er behielt dabei den Walddämonen im Auge. Keinfussabhand schien es schlecht zu gehen. Seine Schnauze lag flach auf den Sand gepresst, und sein charakteristisches ‚Hmpf' ertönte nicht ein einziges Mal.
Die Vampirelfe rempelte den kleinen Krieger an. "Passt du auf?"
"Wie? Nein, ich bitte um Verzeihung. Ich mache mir Sorgen." Hutzel strich Keinfussabhand über den großen Kopf. "Es geht ihm zunehmend schlechter. Ich glaube nicht, dass wir ihn in den Plan einbauen können. Wir sollten sogar sehen, dass wir diesen Ort verlassen. Die Wüste ist kein Ort für ihn."
Feeial schüttelte den Kopf. "Deine Sorgen ehren dich, doch glaube mir, Walddämonen gehören zu den zähesten Lebewesen, die ich kenne. Er wird durchhalten. Und wenn alles gut geht, sind wir morgen schon auf dem Weg in zivilisiertere Gegenden."
Das Nicken des kleinen Kriegers kam zaghaft und ohne Überzeugung.
"Also, auf der mittleren Ebene des Turmes gibt es einige Einbrüche und den kleinen Wachraum. Durch die Einbrüche wäre auch eine Flucht möglich, allerdings denke ich nicht, dass wir darauf zurückgreifen müssen. In der Dunkelheit können wir uns in dem Raum gut verbergen. Jedenfalls zwei von uns!"
"Zwei von uns?" Rotans Augenbrauen hoben sich fragend. Selten nur zeigte der alte Kämpe ein so ernstes Interesse.
"Du und ich", meinte Feeial, "wir beide werden uns dort verstecken und auf die nachfolgenden Grimmschis warten. Wenn sie die Treppe hinaufgelaufen kommen, fallen wir ihnen dort in den Rücken und halten sie hin."

Feeial beschrieb, was sie für sich und die anderen in ihrem Plan vorgesehen hatte. Rotan und sie würden die Ankunft der Grimmschis abwarten. Es würde äußerst wichtig für sie alle sein, dass die Sklavenjäger nichts von dem unheimlichen Wesen erführen - jedenfalls nicht bis zu einem bestimmten Moment. Im darauf folgenden Kampf, und für Feeial gab es keinen Zweifel, dass es einen solchen geben würde, mussten die Grimmschis von dem alten Dreggen und der Vampirelfe so lange aufgehalten werden, bis der kleine Krieger und der Walddämon die Spitze des Turmes erreicht hatten. Und dann würde alles sehr schnell geschehen.
Hutzels Aufgabe in diesem Wagnis sah vor, den Geist von seinem Schatz fort zu locken, wieder die Stufen hinab, mitten hinein in das Kampfgeschehen im Wachraum. Das Erscheinen des Geistes würde die Grimmschis vollkommen überraschen. Vielleicht würden sie zu Beginn noch versuchen gegen den neuen Feind zu kämpfen, aber bald schon sollte die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens klar sein. Die Sklavenjäger würden die Stufen hinab flüchten, vom Geist des Gardan'Gre verfolgt.

"Wenn dies geschieht", erklärte Feeial, "treten wir genau den entgegen gesetzten Weg an. Wir laufen hinauf, wo Ka bereits neben dem Schatz auf uns wartet. Wir füllen geschwind unsere Taschen, geben einiges von dem Schatz in seinen Schlund …"
"Wie war das?" fragte Hutzel Longear erstaunt.
"In seinem Schlund ist viel Platz." Feeial zuckte die Schultern. "Es wird ihm nichts ausmachen, und er soll es ja auch nicht hinunterschlucken. Wir besitzen eben nicht genügend Taschen. Sie würden uns im Kampf zu sehr behindern. Anschließend versuchen wir uns von oben abzuseilen. Weniger wegen der Grimmschis. Ich vermute, sie werden längst ihr Heil in der Flucht gesucht haben, aber der Geist, der wird nach oben zurückkehren."
Der kleine Krieger schaute von einem zum anderen. An seinem grünen Freund blieb sein Blick schließlich hängen. "Wirst du das schaffen, Ka?"
"Hmpf", machte Keinfussabhand.
Den kleinen Krieger überzeugte dieses Geräusch überhaupt nicht.
"Ein Kampf, wie?" Rotans Miene gefror. "Gegen Grimmschis?" Hinter seinen Barthaaren kehrte sein Lächeln langsam wieder zurück. "Warum nicht? Ein hoffnungsloser Kampf ist besser als keiner."
"Bah!" entgegnete Feeial. "Hoffnungslos!"

***

Gemeinsam schlichen die vier Abenteurer zu einer Stelle weit hinter dem Turm, wo sie sich aufzuteilen gedachten. Keiner von ihnen redete. Feeial gab den anderen mit Handzeichen zu verstehen, was es als nächstes zu tun galt. Hutzel Longear gab dem Walddämonen einen kleinen Schubs. Schon hüpfte Keinfussabhand in die Dunkelheit hinein. Der kleine Krieger folgte ihm auf leisen Sohlen.
Feeial rannte geduckt auf ihre Position neben dem Turm zu. Der alte Dreggen lief ebenso geschickt wie sie hinterdrein. Im Laufen tastete er nach dem Heft seines Schwertes.

Grimmschis waren Rotan nicht nur wegen ihres Verhaltens ein Greuel. Er verachtete sie für ihren Ruf Sklavenjäger zu sein, so wie er sich selbst dafür verachtete einst selbst in der Armee der Dreggen versklavte Bjo'Erks bewacht zu haben. In einer Horde waren sie so gefährlich wie ein Rudel Hornbrags. Rotan stieß Luft durch seine Nase aus. Dies war nicht der Moment darüber nachzudenken. Eigentlich gab es so gut wie nie einen richtigen Moment dafür. Er hatte in der Vergangenheit seine Fehler gemacht und würde sie dereinst vor Kolra büßen müssen. Vor ihm ging Feeial neben der rauen Mauer des Turmes in die Hocke. Er tat es ihr nach, hatte es aber nicht vermocht, seine Grübelei zu vertreiben, weshalb er sie in einem Augenblick der Unaufmerksamkeit anrempelte.
"Was?" flüsterte Feeial ihrem Kampfgefährten zu.
"Nichts, entschuldige."
In den Tagen des Königs Dreggen Sois II. waren Grimmschis die Geißel der Dörfer und Städte gewesen. Sobald man ihrer ansichtig wurde, hatten die Bürger, reich oder arm, die Beine unter den Arm genommen und die Flucht ergriffen. Grimmschis machten keinen Unterschied bei ihrer Beute. Jeder ließ sich als Sklave verkaufen. In Ausnahmefällen, wenn der Gefangene sehr reich war oder der Sklavenhändler seinen Wert erkannte, kamen einige Dreggen wieder gegen ein horrendes Lösegeld frei. Doch ihre demütigende Zeit bei den Grimmschis vergaßen sie niemals. Es gab Mittel und Wege ihnen zu entgehen, aber welche waren das? Rotan starrte vor sich auf den Boden. Erst ein Klaps von Feeial brachte ihn in die Wirklichkeit zurück.
"Jetzt!" sagte Feeial sehr leise.

Wird fortgesetzt.

Quelle: Der kleine Krieger

[ mn ]


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