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Startseite » Fiction Zone » DER KLEINE KRIEGER » Geisterjagd #02

DER KLEINE KRIEGER: Geisterjagd #02


"Also, wir haben einen riesigen Gardan'Gre dort oben, dessen Gott ihn nicht in seinem Sphären haben will", zählte Hutzel auf.
"Wir haben einen wütenden Gardan'Gre", betonte Rotan. "Ich habe Krieger seiner Art im Kampf erlebt. Wir sollten uns glücklich schätzen, dass er ohne seine Kriegsaxt in die Zwischenwelt eingezogen ist."
"Er scheint an den Turm gebunden", fuhr der kleine Krieger fort. "Warum?"
"Diese Frage stellten wir uns vor Tagen. Wir kennen die Antwort nicht", sagte Feeial. "Ein Wächter vielleicht, der seinem Herrn über den Tod hinaus dient. Wir kennen Legenden dieser Sorte zuhauf. Nicht wenige Orte kenne ich, die von den Geistern meiner Vorfahren bewacht werden."
Rotan zeichnete die Umrisse der verfallenen Festung in den Sand. "Habt ihr je versucht, sie zu überlisten?"
"Die Vorfahren überlisten? Wir verehren sie. Wir spielen nicht mit ihnen!"
Ein Schnaufen ertönte. Geringschätzig wie stets, als verstehe der Walddämon die Worte der ihn umgebenden Personen.
"Ich weiß nicht, ob Ka uns damit etwas mitteilen möchte. Der Lösung kommen wir hierdurch jedoch keinen Schritt näher." Gedankenverloren fuhr Hutzel dem grünen Freund über eine der roten Pusteln. "Die Hitze ist nicht gut für ihn. Die Pusteln sprießen ohne inne zu halten. Bald schaut er aus wie ein Beerenküchlein meines Volkes."
"Beiß mal hinein", entgegnete Rotan grinsend.
Während Hutzel den Walddämonen beschwichtigend tätschelte, lächelte er über den kargen Humor des alten Kämpen. "Ihr wisst, ich liebte das Vorhaben. Vielleicht hat Feeial recht gehabt. Vielleicht hätten wir längst aufbrechen sollen. Es ist nicht an den Lebenden mit den Toten zu spielen."
"Es ist ein Abenteuer", brummte Rotan. "Krieger erleben Abenteuer. Deshalb sind wir hier. Willst du wie ein garstiger Nang den Schwanz einkneifen und das Weite suchen?"
Hutzel seufzte. Hiernach rang er sich ein leichtes Lächeln ab. "Ich mag deine einfachen Schlussfolgerungen."
"Wenn es einer oder zwei nicht schaffen, ist es vielleicht allen möglich?" Feeial hob eine Feldflasche an den Mund. Sie trank das kühle Blut, welches, mit einem alten Zauber belegt, nicht geronnen war.
Wenngleich Rotans Mundwinkel sich ob des Anblicks ein wenig senkten, nahm er den Faden ihres Gedankens auf. "Dann sollte es doch einer wagen, über die Außenmauer zu klettern. Dieser verbirgt sich auf dem Dach, klettert anschließend über ein Seil durch das Fenster. In der Zwischenzeit schlagen die anderen weiter unten Krach."
"Wir haben die Mauer versucht." Hutzel schüttelte den Kopf. "Es schafft doch keiner, sie zu erklimmen."
Rotan wandte den Blick von dem kleinen Krieger ab. "Nein", meinte er sehr leise, "nicht alle haben die Mauer versucht. Nicht alle."
Hutzels Hand, die gerade noch den zufriedenen Walddämonen getätschelt hatte, hielt inne. Keinfussabhand fühlte die Aufmerksamkeit aller auf sich ruhen. Diese ihm so ernst zugewandten Augen erstickten sein Schnaufen im Keim.

***

Die Sonne erhob sich über den Wüstensand, die Mondbrüder Larus und Lorus vertreibend, und verfolgte gleichgültig das seltsame Treiben der vier Gefährten.

Kurz nach ihrem Gespräch hatten sie sich zur Ruhe gelegt, abwechselnd wachend. Ein jeder der zweibeinigen Wächter hatte über die Lösung des Problems nachgedacht. Ein jeder war beständig darüber gestolpert, wie sie dem Walddämonen begreiflich machen sollten, was er in der nächsten Nacht zu tun hatte. Hutzel hatte die längste Zeit im Sand gesessen und den grünen Freund gemustert. Dieser hatte aus seinen glühenden Augen zurückgestarrt.
Möglich, hatte Hutzel gedacht, dass ich ihn zum ersten Mal mit meinem Blick niedergezwungen habe. Keinfussabhand hatte sich enger zusammengerollt. Die Pusteln schabten über den rauen Sand, einige zerplatzten sogar und sonderten eine milchig rote Flüssigkeit ab.

Das Tageslicht förderte den Tatendrang. Feeial und Rotan schritten in entgegengesetzter Richtung um den Turm herum. Sie suchten nach einer passenden Stelle für ihr Unterfangen. Die Steine waren zwar brüchig, aber auch glatt. Vor Tagen hatten sie bereits verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten untersucht und waren jedes Mal gescheitert. Nirgends fand sich ein geeigneter Punkt, an dem Hände, Füße oder ein Seil auf längere Dauer hätten fassen können.
Rotan umrundete den Turm halb und traf auf Feeial.
"Nichts", sagte er zu ihr. "Da ist nichts. Meine Finger sind zu dick für die schmalen Fugen im Mauerwerk. Einzig am Dach könnte ich mich festhalten."
"Aber es würde dein Gewicht nicht tragen", erwiderte Feeial ohne jeden Spott.
"Wir brauchen einen Haken."
"Du hast unsere Haken in Gre'Affan verloren, erinnerst du dich?" Die Vampirelfe deutete auf den geflickten Lederbeutel, der über Rotans Schultern hing.
"Ich hatte es eilig", brummte der Dreggen. Ein wenig Schamesröte wurde in seinem behaarten Gesicht sichtbar. "Lass uns einen neuen Haken machen."
"Ich bin des Schmiedehandwerks unkundig." Feeial hob eine Braue.
"Wir nehmen ein altes Messer, biegen es zurecht. Das wird reichen!" Rotan warf den Beutel in Sand und trat heftiger danach, als er es wollte. Die wenigen Gegenstände darin klimperten.
Feeial machte einen Schritt auf ihn zu. Impulsiv umarmte sie den Krieger flüchtig, dessen Körper von dieser seltenen Begebenheit erstarrte. "Mein alter brummiger Freund!" Sie hatte seine Reaktion gefühlt und auch erwartet, dennoch hatte sie nicht anders gekonnt, als ihm ihre Zuneigung zu zeigen. Freundlichkeiten in all ihren Formen zählten kaum zu Rotans Persönlichkeit. Feeial wollte es nicht zu weit treiben. Schnell trat sie wieder einen Schritt zurück und schlug dem alten Krieger mit beiden Händen derb auf die Schultern. "Nimm den Kopf hoch! Los, lasse uns oben im Turm unser Glück versuchen."

Hutzel Longear hatte sich derweil in der Festung umgesehen. Der neben dem Turm höchste erhaltene Teil der Festung war eine Säule, die breit und trutzig bei einer der verbliebenen Außenmauern in die Höhe ragte. Diese viel leichter zu erklimmende Säule war Hutzel hinauf gestiegen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Obwohl es nicht das erste Mal war, dass er dort oben hockte, fielen ihm trotzdem neue Einzelheiten ins Auge.
Der Turm erhob sich wenigstens zwanzig Körperlängen eines erwachsenen Dreggen in die Höhe. Für einen ausgewachsenen Gardan'Gre mochte es weitaus weniger sein. Auf den verschiedenen Etagen gab es kleine Schießscharten für Bogenschützen, und nur ganz oben waren richtige Fenster in die Wände eingelassen.
Der kleine Krieger entdeckte Feeial und Rotan, wie sie dort standen, aus den Fenstern gebeugt und nach unten sahen. Feeial betastete die Mauer, ließ jedoch ganz offensichtlich enttäuscht wieder davon ab.

Wird fortgesetzt.

Quelle: Der kleine Krieger

[ mn ]


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