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Startseite » Fiction Zone » DER KLEINE KRIEGER » Geisterjagd #01

DER KLEINE KRIEGER: Geisterjagd #01


Hutzel Longear hastete die schmale verfallene Treppe des Festungsturms hinab. Hinter sich, näher kommend, vernahm er dieses keuchende unheimliche Geräusch. Geräusche, wie die Atemzüge eines Sterbenden. Auf der Stirn des kleinen Kriegers floss eiskalter Schweiß zwischen seinen buschigen Augenbrauen, suchte sich seinen Weg über den breiten Nasenrücken.
Hinter ihm wurden die Atemzüge lauter und mischten sich mit stampfenden Schritten, gewaltig großen Schritten. Nicht mehr weit entfernt leuchtete der Eingang im Licht der beiden Monde. Stücke alten Gesteins brachen unter Hutzels Füßen aus den Stufen. Er wankte. Seine wild tastenden Hände fanden an der Wand keinen Halt. Im nächsten Augenblick purzelte er, weiterhin verfolgt, die restlichen Stufen hinab, rollte das letzte Stück zur Tür hinaus, geradewegs vor den erstaunten Rotan.

Atemzüge und stampfende Schritte rasten heran, wehten sturmgleich gegen die Türöffnung, wo sie an der unsichtbaren Grenze zerbarsten. Letzte Seufzer erklangen und ein leises Schnüffeln setzte dem Spuk ein Ende.

"Wie ich sehe, ist dein Plan erneut fehlgeschlagen", meinte Rotan nicht ohne mürrischen Unterton.
"Hilf mir auf." Hutzel streckte dem Dreggen eine Hand entgegen.
Rotan ergriff die Hand in seiner ruppigen Art und zog den kleinen Krieger mühelos auf die kurzen Beine.
"Danke." Hutzel klopfte sich den Staub von Stiefeln und Hose. "Hätte ich auch nur geahnt, wie sehr dein Plan einer Schatzsuche in der Grenzregion in Strapazen ausartet, wäre ich geradewegs umgekehrt."
"Echte Krieger scheuen Strapazen nicht!"
"Wir müssen an deinem Humor arbeiten", erwiderte Hutzel, während er den alten Dreggen von unten her anschaute. "Nun, denn. Wir können dieses Wesen nicht überraschen, noch wirklich ablenken. Er sitzt nächtens dort oben auf seinem Schatz und am Tage ist das Versteck nicht sichtbar. - Ist das ein Lächeln hinter deinem Bart?"
"Hattest du mir nicht erzählt, Zauberwerk wäre dir zur zweiten Natur geworden?"
"Echte Krieger übertreiben schon einmal, Rotan. Das solltest du am besten wissen."

Nahebei im zweifelhaften Schatten einer großen Kaktuspflanze hockten Feeial und Keinfussabhand. Der Walddämon schmiegte sich an die schlanken Beine der Vampirelfe. Die Hitze des Tages war noch nicht vergangen und häufig schubste sie das grüne Wesen ein Stück weit von sich, war die Luft doch noch heiß genug. Schmuserei brachte nur zusätzliche Wärme. Unverdrossen aber schlich Keinfussabhand zu Feeial zurück und legte seinen Kopf auf eines ihrer angewinkelten Knie.
"Nun geh, Ka!" keifte Feeial den Walddämonen mit gefletschten Zähnen an.
"Das macht er nur, wenn er sich nicht wohl fühlt", sagte Hutzel, als er zu ihr herantrat.
"Er ist glitschig!"
"Das liegt an der Hitze."
"Das ist mir gleich!" Sie stieß den Walddämon ein weiteres Mal von sich. Sofort machte er sich daran, sich zurück zu schlängeln. "Nein!"
"Es genügt, Ka!" Der kleine Krieger wusste, dass seine erhobene Stimme zuweilen den treuen Begleiter beeindrucken konnte. Die Betonung lag auf zuweilen. Keinfussabhand schnaufte, seine Stirn legte sich in knittrige Falten, aber er gehorchte für den Moment. Einen Schritt entfernt rollte er sich auf dem Boden zusammen.
Feeial stand auf. "Es genügt in jeder Hinsicht. Ich bin es müde, wieder und wieder zu versuchen, diesem lumpigen Gardan'Gre seinen Schatz abzujagen. Und wenn er die wahrhaftig gewaltigsten Edelsteine dort oben gehortet hat. Ich sehne mich nach einer sauberen Herberge. Lasst uns in die Oase Onya aufbrechen. Wir können es in dieser Nacht noch dorthin schaffen. In zwei Tagen sind wir in Niando Nalhap Dendo und kühlen unser Mütchen mit Kaktusschnaps!"
Rotan gesellte sich nachdenklich zu den anderen. "Ist deine Vorliebe nicht Blut?"
"Blut? Willst du, dass ich mir deines nehme?" fragte Feeial gereizt.
"Nun, denn", sprach Hutzel und stellte sich zwischen die beiden. Feeial starrte zornig den alten Dreggen an, der nur einen kühlen Blick zurückwarf. "Wäre es nicht gut, wenn wir uns alle beruhigen, einige letzte Pläne schmieden. In der nächsten Nacht versuchen wir unser Glück ein letztes Mal. Dann gehen wir." Mit einem breiten Grinsen knuffte er die Kriegerin und den Krieger frohgemut gegen die Bäuche. "Ich meine, sonst sitzen wir am Ende noch alle ganz verlumpt oben auf diesem Schatz. Na, Rotan, ist das jetzt ein Lächeln hinter deinem Bart?"
"Die ganze Zeit bereits", meinte Rotan leichthin und unterdrückte ein lautes Auflachen.
Feeial schlug mit gespielter Entrüstung auf Rotans Schulterpanzer. Sie gewann ihr Lächeln zurück. "Bah! Dein Blut wäre mir eh zu kalt!"

Wird fortgesetzt.

Quelle: Der kleine Krieger

[ mn ]


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